Studenten ©Marcela (Pixabay)

Viele JunglehrerInnen geben als einen der entscheidenden Faktoren für ihre Berufswahl an, dass sie den einen oder anderen ihrer eigenen LehrerInnen als besonders interessant, engagiert und motivierend erlebt haben. In dessen Fußstapfen wollen sie steigen – genau so unterhaltsam, gerecht, liebenswert und vorbildlich sein. Auf ähnliche Art kann auch der Lehrberuf in einer Familie ‚vererbt‘ werden, wenn der Verwandte seinen Berufsalltag als gewinnbringend schildert.

Bereits in der Schule erkenne, wer LehrerIn wird

Studie der Universität Tübingen zeigt: Wunsch der Eltern und Arbeitsbedingungen spielen wichtige Rolle für Aufnahme eines Lehramtsstudiums

Der Einfluss der Eltern spielt eine erhebliche Rolle bei der Berufswahl von Lehrkräften. Wünschen sich Eltern, dass ihre Kinder ein Lehramtsstudium aufnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass diese dem folgen. Ist ein Elternteil als Lehrkraft tätig, erhöht dies ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass die Sprösslinge in ihre Fußstapfen treten. Dies haben Wissenschaftler des LEAD Graduate School & Research Network an der Universität Tübingen in einer Studie herausgefunden. Sie wurde in der Zeitschrift Educational Researcher veröffentlicht.

Weitere Faktoren für die Berufswahl

Daneben gibt es weitere Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ob Schülerinnen und Schüler ein Lehramtsstudium aufnehmen: unter anderem soziale Interessen, das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz und der Wunsch, Kinder zu haben. Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten dagegen sind von untergeordneter Bedeutung für die Wahl des Lehrerberufs. „Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland trotz geringer Aufstiegsmöglichkeiten relativ hoch eingeschätzt werden“, erklärt Adam Ayaita, LEAD-Mitglied und Akademischer Rat an der RWTH Aachen.

Details zur Langzeitstudie und gewonnene Erkenntnisse

Die Wissenschaftler werteten Daten aus einer Langzeitstudie von rund 3.600 Schülerinnen und Schülern, die später ein Studium aufnahmen, sowie von deren Eltern aus. Die erstmalige Befragung fand statt, als die Schülerinnen und Schüler die 9. Klasse besuchten, die letzte der jährlichen Befragungen sechs Jahre später. Nun verglichen die Wissenschaftler die früheren Angaben derer, die später ein Lehramtsstudium aufnahmen, mit denen, die sich für ein anderes Studienfach einschrieben. „Mit unserer Studie konnten wir zeigen: Jugendliche im Alter von etwa 15 Jahren, deren Eltern den Wunsch äußerten, dass ihr Kind Lehrer wird, begannen später tatsächlich deutlich häufiger ein Lehramtsstudium als andere Jugendliche“, so Ayaita.

Das Ergebnis ist wichtig für die Steuerung des Bedarfs an Lehrkräften. Begabte Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise nicht an eine Lehrtätigkeit denken, könnten über die Eltern in diese Richtung gelenkt werden, aber auch Beratungslehrerinnen und -lehrer können eine wichtige Rolle spielen. Durch die Veränderung der Arbeitsbedingungen, etwa das Schaffen von Aufstiegsmöglichkeiten, könnten zudem auch diejenigen für das Lehramt gewonnen werden, die durch die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten im Lehrerberuf bisher davon abgeschreckt wurden.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Dr. Adam Ayaita
RWTH Aachen University | School of Business and Economics
Lehrstuhl für Personal
Tel. +49 241 80 93358
E-Mail adam.ayaita@hrm.rwth-aachen.de

Originalpublikation

Savage, C., Ayaita, A., Hübner, N., & Biewen, M. (2021). Who chooses teacher education and why? Evidence from Germany. Educational Researcher. 
doi.org/10.3102/0013189X211000758


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