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Vera F. Birkenbihl hat schon immer davon gesprochen, dass Jungs/Männer handeln, ins Tun kommen müssen – ein neues Fachbuch für Männer mit Depressionen zielt genau darauf ab – nichts Neues, aber doch so wichtig, es immer wieder zu erörtern: welche Möglichkeiten haben wir, aus seelischen Krisen herauszukommen?

UKL-Psychiater veröffentlicht gemeinsam mit Psychologen Fachbuch zu Therapielösungen für Männer.

Das Schweigen der Männer: Was tun in einer seelischen Krise?

Leipzig. Eine Depression ist nicht gleich Depression – vor allem die Bewältigungsstrategien von Frauen und Männern unterscheiden sich deutlich. Männern neigen eher dazu, psychotherapeutische Hilfe abzulehnen. Wie hier mit einem geschlechtssensiblen Ansatz dennoch eine psychotherapeutische Versorgung ermöglicht werden kann, beleuchtet ein neues Fachbuch, mit verfasst von Prof. Georg Schomerus, Direktor der Klinik für Psychiatrie am UKL.

Unterschied der Geschlechter

Männer leiden anders an psychischen Störungen als Frauen, und sie sind viel seltener in Therapie. Aggressives Verhalten, Missbrauch von Substanzen oder sozialer Rückzug können Bewältigungsstrategien von Männern sein, die zum Beispiel eine Depression haben. Das sichtbare Verhalten verstellt dabei den Blick auf innere Krankheitsprozesse. Psychische Krankheiten werden bei Männern deshalb häufig erst später entdeckt, und Männer suchen auch seltener eine Behandlung auf. Prof. Georg Schomerus, Direktor der Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Leipzig, hat gemeinsam mit dem Psychologen Steffen Bartholomes aus Stralsund ein Buch geschrieben, das ein Behandlungsprogramm für Männer vorschlägt. „Wir haben damals gemeinsam in einer Tagesklinik in Bergen auf Rügen gearbeitet“, berichtet Schomerus. „Als die Werft in Stralsund wieder mal in großem Stil Mitarbeiter entlassen hat, hatten wir auf einmal einige Männer in Behandlung, die nur schwer mit unseren Angeboten zurecht kamen. Diese Männer waren schwer depressiv, aber unsere Angebote passten für sie nicht gut.“

Viele Konzepte der Psychiatrie und Psychotherapie sind auf „typisch weibliche“ Bewältigungsmuster zugeschnitten. Ganz oben auf der Liste: Über die eigenen Gefühle reden. „Im Kreis sitzen und über Probleme reden – für viele Männer ist allein diese Vorstellung Grund genug, keine Therapie aufzusuchen. Ein typischer Mann will etwas tun, ohne viel darüber zu reden – das ist zwar ein Stereotyp, aber es gibt durchaus eher weibliche und eher männliche Strategien, mit Krisen umzugehen“, beschreibt der Psychiater. Was aber weitestgehend fehlt, sind Therapieangebote, die speziell auf die männlichen Lösungswege zugeschnitten sind.

Auf Rügen haben der Psychiater Schomerus und der Psychologe Steffen Bartholomes deshalb ein Gruppenprogramm für Männer entwickelt, bei dem das Handeln im Mittelpunkt steht. „Der Ausgangspunkt ist ein Projekt, etwas, das man sich vornimmt, das getan werden soll“, erläutert Schomerus. Das kann das Wiederaufgreifen eines Hobbies sein oder eine lange fällige Reparatur – oder auch ein Gespräch mit den eigenen Eltern, das man schon lange führen wollte. Rund um dieses Vorhaben entwickele sich die Therapie. „Das Buch ist mit der Hilfe von Gruppenteilnehmern entstanden, die alle Inhalte gegengelesen und kommentiert haben“, berichtet Schomerus. „Das war die ultimative Qualitätskontrolle, denn dadurch wurde nochmals vieles klargestellt.“

Informationen zur Publikation
Bartholomes/Schomerus

„Ambulante Gruppentherapie für Männer mit Depressionen“
Psychiatrie Verlag
Link


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