Die vergangenen Monate beeinflusste der Corona-Virus das Leben aller, besonders auch das der Kinder und Eltern. Eltern mussten ihre Kinder zu Hause unterrichten, das bis dahin selbstverständliche Netzwerk und gesellschaftliche Leben fiel schlagartig weg. Vielleicht wurde den Menschen dadurch klar, wozu Schule eigentlich da ist?

>> Wozu ist Schule da?

Pädagogen der Universität Jena stellen in heute erschienenem Buch das System Schule auf den Prüfstand. In ihren Beiträgen analysieren sie unterschiedliche Bedeutungsdimensionen der Einrichtung, durchleuchten scheinbare Selbstverständlichkeiten und gehen der Frage nach: Wozu ist Schule eigentlich da?

Während in manchen Ländern „nur“ eine Unterrichtspflicht besteht, setzen andere Staaten wie Deutschland bei der Bildung von Kindern und Jugendlichen auf die gesetzliche Bestimmung, die öffentlich anerkannte Institution Schule zu besuchen. Angesichts dieser Festlegung ist es überraschend, dass zwar anlässlich neuer Studienergebnisse, Leistungsabfragen und Auseinandersetzungen um politische Zuständigkeiten regelmäßig über Schule diskutiert wird, das System als Ganzes aber eher selten hinterfragt wird. Pädagoginnen und Pädagogen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben in dem neuen Buch „System Schule auf dem Prüfstand“ genau das getan. In ihren Beiträgen analysieren sie unterschiedliche Bedeutungsdimensionen der Einrichtung, durchleuchten scheinbare Selbstverständlichkeiten und gehen der Frage nach: Wozu ist Schule eigentlich da?

 

Schülerinnen und Schüler sollen zur Gesellschaft passen

„Die Institution Schule hat auf den ersten Blick vor allem ein Ziel: Schülerinnen und Schüler sollen am Ende ihrer schulischen Laufbahn zur Gesellschaft passen“, sagt Ralf Koerrenz von der Universität Jena, der gemeinsam mit seinem Kollegen Nils Berkemeyer das Buch herausgegeben hat. „Qualifikation etwa stattet sie mit berufsorientierten Kompetenzen aus, durch die sie die Gesellschaft ökonomisch weiterentwickeln können. Gleichfalls erhalten Schülerinnen und Schüler in der Schule das Rüstzeug, um sich in die Kultur zu integrieren, die sie umgibt.“ Dementsprechend kümmerten sich viele gegenwärtige Diskussionen in diesem Bereich vor allem darum, wie einzelne Funktionen besser ausgefüllt werden können. So ruft die deutsche Wirtschaft beispielsweise aufgrund des Fachkräftemangels nach einer Stärkung der sogenannten MINT-Fächer in der Schule.

 

Gerechtigkeit als Maßstab

Doch statt nur an einigen Stellschrauben zu drehen, regen die Beiträge dieses Bandes dazu an, die Institution als Ganzes als veränderbar wahrzunehmen. „Schule ist Teil eines gesellschaftlichen Systems, in dem die Ansprüche der Individuen auf Bildung und Wohlergehen mit dem staatlichen Anspruch, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu reproduzieren und in Reformperspektiven zu verändern, in eine praktische Balance zu bringen sind“, sagt Koerrenz. Die Institution als solche sei dabei grundsätzlich konservativ, das bedeute aber nicht, dass sie als System nicht Möglichkeiten für Alternativen biete.

Nils Berkemeyer ist wichtig, dass bei allem Potenzial zur Veränderung aber eines gewährleistet sein müsse: Schule in der Demokratie habe Chancengleichheit für jedes Kind zu gewährleisten und dürfe nicht etwa noch zu einer Verstärkung sozialer Ungleichheiten beitragen. „Gerechtigkeit muss der zentrale Referenzpunkt in der Diskussion um Schule und ihre Position in und zur Gesellschaft sein“, betont der Pädagoge von der Universität Jena.

 

„Bildung: Demokratie“

Aus diesem Grund interpretiert beispielsweise ein anderer Beitrag den Trend hin zu mehr privaten Schulen, besonders im Grundschulbereich, als Beispiel, wie soziale Spaltung im Bildungsbereich sogar noch gefördert werde. Andere Autorinnen und Autoren greifen bei der Analyse von Veränderungspotenzial Ideen berühmter Schultheoretiker, etwa Johann Friedrich Herbart, auf, stellen modellhafte Schulprojekte vor und berichten von praktischen internationalen Erfahrungen. Hazel Slinn etwa arbeitete, bevor sie an die Friedrich-Schiller-Universität kam, als Pädagogin unter anderem im Kosovo und in Polen und war dort an Wandlungsprozessen im Bildungsbereich beteiligt.

Das Buch markiert zudem den Auftakt der neuen Reihe „Bildung: Demokratie“. Mit ihr wenden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Professionalisierung von Anfang an im Jenaer Modell für Lehrerbildung“ – der Schule als Institution innerhalb einer demokratischen Gesellschaft zu. In dem vorliegenden und weiteren Bänden wollen die Jenaer Pädagoginnen und Pädagogen diskutieren, wie Bildungsprozesse die Demokratie beeinflussen und welche Räume und Chancen im Umkehrschluss die Demokratie der Bildung und damit zusammenhängenden Institutionen eröffnet. <<


Buch: „System Schule auf dem Prüfstand“

Taschenbuch: 228 Seiten
Verlag: Beltz Juventa (11. März 2020)

Sprache: Deutsch
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Publikation:
Ralf Koerrenz, Nils Berkemeyer (Hg.): System Schule auf dem Prüfstand, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2020, 228 Seiten, Preis: 29,95 Euro, ISBN 978-3-7799-3971-9


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